Unterschied zwischen Kimono und Yukata © V.Nagata

Was ist der Unterschied zwischen Kimono und Yukata?

Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Kimono und Yukata?

Die Frage nach dem Unterschied zwischen Kimono und Yukata kann man ungefähr vergleichen mit der Frage, ob es einen Unterschied zwischen Schuh und Sandale gibt, oder ob eine Hose und Jeans dasselbe sind.
Ahnen Sie, worauf es hinausläuft? Sandale und Jeans sind Unterarten von Schuh und Hose, ebenso wie der Yukata eine Unterart vom Kimono ist. Im Folgenden zähle ich die Unterschiede zwischen diesen beiden traditionellen japanischen Kleidungsstücken auf.

Die wesentlichen Unterschiede:

Kimono © V.NagataYukata © V.Nagata
Preis:
Second-Hand schon für unter 100,- Euro, wenn man Glück hat. Neuware mehrere hundert bis tausende Euro. Einfache Kunstfaser-Kimonos bekommt man auch neu für unter hundert Euro.
Handarbeit hat ihren Preis: Handgenähte, handbemalte und vom Künstler signierte Kimono sind preislich sehr nah an der Schmerzgrenze. Diese Einzelstücke können auch mal über 10.000,- Euro kosten, sind allerdings auch ihren Preis wert.
Preis:
Sehr erschwinglich, also schon um 50,- Euro, zu bekommen. Oft handelt es sich dann um Massenware, die nicht in Japan produziert wird. Handgenähte oder handbedruckte / handgefärbte Yukata kosten natürlich mehr.
Material:
Den Kimono gibt es vor allem aus Seide, aber auch zum Beispiel aus Wolle oder Polyester bzw. Mischgewebe.
Material:
Der Yukata ist aus atmungsaktivem, luftigem Material, also Baumwolle, Leinen, Hanf oder ähnlichen Pflanzenfasern. Auch hier gibt es Mischgewebe.
Jahreszeit:
Der Seidenkimono wird zu allen Jahreszeiten getragen, für den Winter gibt es außerdem noch Wollkimono oder wärmende Jacken / Mäntel.
Jahreszeit:
Einen Baumwollkimono, also Yukata, trägt man im Sommer oder zu Hause bzw. als Bad-  oder Kurkleidung. Oft werden simple Yukata auch in Hotels für die Gäste ins Zimmer gelegt. Aber niemand geht im Winter im Yukata auf die Straße.
Ärmel:
Bei Frauenkimono gibt unterschiedliche Ärmellängen zwischen 49cm und ca. 115cm. Bei Herrenkimono gilt die Standardlänge von ca. 49-50cm
Ärmel:
Nur EINE Ärmellänge (ca. 50cm) für beide Geschlechter.
Anlass:
Man unterscheidet zwischen festlichen, halbformellen und Alltags-Kimono. Man wählt je nach dem Anlass. Die Kimonoarten unterscheiden sich im Material, in der Webart, im Muster, in der Bemalung, in der Färbetechnik etc. Alle haben ihren speziallen Formalitätsgrad. (Mehr zur Wahl des richtigen Kimono s. hier und hier.)
Anlass:
Ein Yukata ist grundsätzlich Freizeitkleidung und daher NICHT für formelle Anlässe geeignet!
Muster +  Farben:
Teilweise mit sehr fein ausgearbeiteten Mustern. Bei Männerkimono sind die Farben und Muster eindeutig dunkler / einfacher. Frauen haben die Wahl zwischen lebhaft-bunt bis dezent-einfarbig. Je älter die Frau, desto dezenter das Muster / die Farbe. Auch hier spielt der Anlass eine Rolle.
Muster + Farben:
Yukata-Muster sind einfach und kontrastreich gehalten, oft großformatig und sehr häufig in Blau auf weißem Grund. Mittlerweile sind aber auch weitere Farben auf dem Markt.
Männer- und Frauen-Yukata unterscheiden sich vom Muster her nicht so stark, wie dies bei Kimono der Fall ist. Allerdings ist die Farbe Rot eindeutig eher auf Frauenkimono zu sehen.
Obi:
Zu einem Kimono trägt die Frau einen breiten Obi meist aus Seide oder Kunstfaser, ca. 15-30cm breit. Der Mann trägt einen schmalen Obi aus Seide, Kunstfaser oder Baumwolle, ca. 10cm breit.
Obi:
Zum Yukata trägt die Frau einen Halbbreiten-Obi aus Seide oder Kunstfaser, ca. 15cm breit. Der Mann trägt zumeist einen weichen, sehr breiten und langen Obi aus Seide.
Unterkleidung:
Unter einem Kimono trägt man einen Unterkimono, der den Kimono vor Verschmutzung schützt.
Unterkleidung:
Den Yukata trägt man gerne ohne Unterkimono, allerdings mit Unterwäsche.
Futter:
Es gibt gefütterte und ungefütterte Kimono.
Futter:
Yukata sind ungefüttert.

Fazit: mindestens 9 Unterschiede

Wie Sie sehen, gibt viel mehr als nur einen Unterschied zwischen Kimono und Yukata. Leider ist es dennoch so, dass Yukata bei westlich orientierten Kimonohändlern oder Japanshops weiterhin als „Kimono“ bezeichnet werden. Daher gilt es, genau auf die Beschreibung des jeweiligen Angebots zu achten, die Angaben zu Preis und Material aufmerksam durchzulesen und sich nicht ein „A“ für ein „O“ vormachen zu lassen!

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