Obijime © KIMONO-KIMONO

Obijime: über die Arten

Obijime – der Anfang

Die Obijime ist eine Zierkordel, die um den Obi herum gebunden wird. Bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden derartige Kordeln allerdings noch gar nicht zum Befestigen des Obi verwendet. Der Obi war nicht so breit wie heutzutage und konnte daher ohne weitere Hilfsmittel gebunden werden. Erst ab Ende der Edo-Zeit / Anfang der Meiji–Zeit kam die Verwendung der Obikordeln in Gebrauch, als die Obi immer breiter wurden und eine zusätzliche Befestigung nötig wurde.

Grundwissen über die Obikordel finden Sie hier!

Aus der Not eine Tugend

Es gibt mehrere Theorien, den Ursprung der Obijime betreffend. Hier nur einige Varianten:

  1. Geisha oder Maiko verwendeten spielerisch das „sageo“ ihrer adeligen Gäste (jap.: 下緒, Kordel zur Befestigung des Samuraischwertes am Obi) als Zierkordel für ihren Obi.
  2. Nach dem Verbot des Samuraistandes suchten die Kumihimo-Handwerker eine neue Verwendung für ihre Kumihimo-Kordeln. Eine davon war die Verwendung als Kordel für den Obi.
  3. Wenn ein Samurai starb, schickte man seiner Frau sein sageo. Sie band es dann als Zeichen ihrer Trauer um ihren Obi. Daraus entwickelte sich der Brauch, Kumihimo-Kordeln als Obikordel zu verwenden. (Für diese Version habe ich allerdings noch keine schriftlichen Quellen gefunden.)
  4. Der Obi wurde bekanntlich immer breiter mit der Zeit. Daher wurde es nötig, den Obi mit einer Kordel festzubinden, damit er nicht herunterrutschte.

Die bunte Vielfalt…

Obikordeln gibt es in unendlicher Vielfalt, genau wie Kimono und Obi. Manche sind dick und rund, manche flach und dünn, andere wiederum mit Stoff ummantelt.
Wie bei Kimono und Obi hat man auch bei Obijime die Qual der Wahl zwischen diversen Materialien, Herstellungstechniken, Farben, Formen, Motiven und Mustern. Und natürlich gibt es auch Dinge, die man in Bezug auf die Verwendung der Obikordeln wissen sollte.

Das Maß aller Kordeln

Obijime findet man in verschiedenen Breiten und Längen. Man kann aber sagen, dass eine durchschnittliche Obijime etwa 1 Zentimeter breit und ungefähr 150 Zentimeter lang ist.
Die dünnsten Obijime sind meines Wissens die sogenannten „nibuhimo“ mit einer Breite von 6 Millimetern. Die breitesten Obijime sind etwa 1,5 Zentimeter breit („gobuhimo„). Dass eine dünne Obijime leichter zu binden und festzuziehen ist, versteht sich von selbst.

Info am Rande: Man misst die Breite der Obijime in „bu“ (jap. 分):
1 bu (ichibu) = 3,03 mm, 2 bu (nibu) = 6,06 mm, 3 bu (sanbu) = 9,09 mm, 4 bu (shibu) = 12,12 mm 5 bu (gobu) = 15,15 mm

Der Querschnitt einer Obijime

Obijime-Querschnitt © KIMONO-KIMONOEs gibt 3 Arten von Querschnitten: rund, oval und flach. Darüber hinaus gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Querschnitt einer Obikordel und ihrer Breite. Denn Obikordeln mit rundem Querschnitt haben generell eine Breite zwischen 6 – 10 Millimetern. Breitere Kordeln sind mir persönlich noch nicht begegnet und ich denke, dass eine größere Breite bei rundem Querschnitt auch einfach nicht praktisch wäre. Der Knoten würde wohl zu dick werden und plump wirken! Bei mehrsträngigen Obijime sind die einzelnen Stränge etwa 5 Millimeter dick.
Flache Obikordeln findet man in Breiten zwischen 6 und 15 Millimetern. Auch hier gilt: je breiter, desto schwieriger zu knoten.

2 Hauptgruppen: geflochten und genäht

Obijime: Genäht und geflochten Oben: genähte Obijime © B. Janssen / KIMONO-KIMONO)

Oben: Maruguke © Britta Janssen, www.godzilla-kimono-club.de). Unten: Marugumi  © KIMONO-KIMONO)

Obikordeln können grob in 3 Gruppen eingeteilt werden, die sich nach der Herstellungstechnik richten:

1) Geflochten (Marugumi / Hiragumi)
2) Genäht (Maruguke)
3) Sonderformen

Über das TPO (Time Place Occasion) der Obijime, also wann, wo und zu welchem Anlass die Obikordel verwendet werden können / sollten, bestimmen vor allem folgende Faktoren:
–  Material
–  Querschnitt
–  Breite
–  Gold- / Silber-Anteil
–  Anzahl der Stränge
–  Anzahl und Leuchtkraft der Farben
–  Art der Flechttechnik und des Flechtmotivs

Hiragumi, Marugumi und Maruguke

Das Bild zeigt die wichtigsten Obijime-Typen, die man als Kimono-Insider kennen sollte:

3 Arten Obijime © KIMONO-KIMONO

1: Hiragumi, 2: Marugumi, 3: Maruguke © KIMONO-KIMONO

  1. Hiragumi-Obijime sind geflochten, flach und zwischen 0,6 cm bis gut 1 cm breit.
  2. Marugumi-Obijime sind ebenfalls geflochten, haben einen runden Querschnitt und können ca 0,5 cm bis über 1 cm breit sein.
  3. Maruguke-Obijime haben ebenfalls einen runden Querschnitt. Sie sind aber nicht geflochten, sondern aus Stoff genäht und z.B. mit Watte gefüllt. Sie haben Breiten von ca. 0,6 bis 1 cm.

Sondermodelle

Abgesehen von diesen Standard-Kordeln gibt es noch Sondermodelle. Diese können zum Beispiel aus Leder

bestehen (s. Bild), aus einer gewebten Borte oder auch aus einer festen, gedrehten Kordel. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.
Eine wichtige Eigenschaft müssen aber alle Obijime besitzen: sie dürfen nicht dehnbar sein, sondern müssen auch bei festem Ziehen ihre Länge und Form beibehalten.

Obijime aus Leder © K. Partosch

Leder-Obijime © Katharina Partosch

So lange also das Material zugfest ist und es gleichzeitig möglich ist, einen Knoten damit zu binden, ist es geeignet, als Obikordel zu dienen.
Natürlich sollte eine gewisse Breite und Dicke nicht über- oder unterschritten werden. Denn alles, was etwa einen Zentimeter an Breite oder Dicke überschreitet, kann schlechter geknotet werden und der Knoten wird möglicherweise zu dick. Zu dünne Obikordeln haben einfach nicht genug „Kraft“, um den Obi in Position zu halten.

So weit die Basis.

Informationen über Marugumi, Hiragumi und Maruguke finden Sie in demnächst in den Artikeln zu diesen Untergruppen!

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The translation into English was kindly provided by Annie Blackweather, https://annieblackweather.wordpress.com, known on Facebook as Lynn Kiriyumi

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