5 typische Kimonostoffe © V.Nagata

Kimonostoffe – Merkmale der 5 Top-Favoriten

Die Merkmale der 5 wichtigsten Kimonostoffe

Die verschiedenen Kimonostoffe haben ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile. Auch sollte man wissen, dass einige Kimonostoffe nicht geeignet sind, bei feierlichen bzw. offiziellen Anlässen getragen zu werden. Mit anderen Textilien wiederum ist man im privaten Rahmen eindeutig "overdressed".

Seide – Königin der Kimonostoffe

Seide © V.Nagata

Seidenkokons

Seide ist eine tierische Naturfaser, die aus den Spinnfäden der Seidenraupe gewonnen wird. Seide ist die stärkste bekannte Naturfaser.
Die Kokons mit den noch ungeschlüpften Seidenraupen werden mit Hitze behandelt und so die Seidenraupen getötet. So wird verhindert, dass die Rauben schlüpfen und dabei den Kokon zerstören. Dann werden die Kokons in heißem Seifenwasser vom Seidenleim (Bast) befreit, damit die Seidenfäden abgehaspelt werden können. Ein Kokon besteht aus einem Faden von etwa 3000 Metern! Davon lässt sich allerdings nur ein Teil für hochwertiges Seidengarn verwenden. Für 250g Seidengarn benötigt man 1000g Kokons.

Aus den feinen Seidenfäden lassen sich je nach Qualität exquisite, hauchdünne Stoffe mit einem sehr eleganten Fall daraus weben. Seidengewebe ist atmungsaktiv und ermöglicht eine ausgezeichnete Luftzirkulation. Im Sommer kühlt Seide, im Winter wärmt sie. Seide kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen. Sie trocknet schnell, knittert nicht so leicht und ist bis zu einem gewissen Grad schmutzabweisend.

Je festlicher der Anlass, desto höher die erforderliche Qualität der Kimonostoffe.
Ein formeller Kimono sollte daher unbedingt aus Seide gefertigt sein, ebenso wie der zugehörige Obi. Die edelsten Kimono - sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart - sind immer aus Seide gefertigt. Es gibt viele verschiedene Seidengewebe in Japan, deren Herstellung oft in vielen aufwändigen Arbeitsschritten verläuft.

Seide in Japan - geschichtlicher Rückblick:
Die Seidenherstellung ist in China schon seit ca. 3000 v. Chr. bekannt. In Japan begann die Seidenweberei 300-200 v. Chr.. Seidenraupenzucht und somit die innerjapanische Produktion wurde erst ab Mitte des 7. Jahrhunderts betrieben.
Für viele Jahrhunderte war Seide in Japan ein Luxusprodukt, das sich nur die höheren Gesellschaftsschichten leisten konnten und auch offiziell nur für diese zugelassen war. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Seide auch für den Rest der Bevölkerung zugänglich.(Quellen s.u.)

Wolle – optimal für den Winter

Wolle © V. Nagata

Wolle - Rohmaterial

Auch Wolle ist eine tierische Naturfaser, die vor allem aus dem Fell von Schafen, aber auch anderen Fellträgern, hergestellt wird.

Wollkimono sind für den Alltag gedacht und werden verständlicherweise eher im Herbst und Winter getragen. Wolle ist für ihre wärmende Eigenschaft bekannt. Sie kann ein Mehrfaches ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ihre Oberfläche ist jedoch gleichzeitig bis zu einem gewissen Grad wasser- und schmutzabweisend. Dadurch ist sie für rauhere Klimazonen optimal geeignet. Wollkimono werden normalerweise einer Oberflächenbehandlung unterzogen, um das für Wolle typische Kratzen zu reduzieren. Dies ist besonders deshalb wichtig, da Wollkimono nur selten gefüttert sind.

Wolle in Japan - geschichtlicher Rückblick:
Die ältesten Wollgewebe wurden in Vorderasien gefunden und können auf 4000-3000 v. Chr. zurückdatiert werden1. Erste Wollprodukte kamen erst sehr viel später nach Japan. Zunächst wurden fertige Wollgewebe nach Japan importiert und als Luxusgut gehandelt. Erste Versuche der Schafzucht fanden - initiiert durch die japanische Regierung - ab 1870 statt², mussten aber 1888 wieder eingestellt werden³. Die Wollproduktion auf der Basis von importiertem Rohmaterial wurde in Japan nicht vor 1870 begonnen, als Uniformen aus Wolle nach westlichem Vorbild angefertigt wurden.(Quellen s.u.)

Baumwolle – Favorit für Sommerfeste

Baumwolle

Baumwollkapseln

Baumwolle ist eine pflanzliche Naturfaser, gewonnen aus den Samenfasern eines Malvengewächses. Baumwolle ist eine sehr alte Kulturpflanze. Sie ist sehr saugfähig und kann bis zu 65% des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen1, trocknet allerdings nur langsam. Textilien aus Baumwolle sind allgemein als hautfreundlich und kratzfrei bekannt².

Kimono aus Baumwolle bezeichnet man eigentlich nicht als Kimono, sondern als Yukata. Für den Sommer sind Yukata sehr gut geeignet, da Baumwolle leicht und atmungsaktiv ist und angenehm kühl auf der Haut liegt. Yukata sind allerdings Freizeitkimono, sie sind auf keinen Fall für formelle Anlässe geeignet. Bei Sommerfesten tragen auch heute noch viele Japaner gerne Yukata.

Allerdings bewirkt starkes Schwitzen bei einem Yukata, dass das Baumwolltextil durch den Schweiß stellenweise auf der Haut klebt. Außerdem knittern Yukata leicht und sind nicht bügelfrei.
Das Waschen von Baumwollkimono ist relativ unkompliziert. Yukata sind nicht gefüttert und ein ungleiches Einlaufen von Futter und Obermaterial ist nicht zu befürchten. Da Yukata häufig mit Indigo gefärbt werden, ist jedoch ein Ausbluten der Farbe keine Seltenheit.

Baumwolle in Japan - geschichtlicher Rückblick:
Die ältesten Funde von Baumwollfasern stammen aus Indien. Sie werden auf ca. 6000 v. Chr. datiert. Baumwolle wird seit dem 16. Jahrhundert in Japan hergestellt und schon im 17. Jahrhundert zählte die Baumwolle neben der Seide zu den wichtigsten Textilprodukten in Japan. Die Bekleidung aus Leinen, die jahrhundertelang von der breiten Bevölkerung getragen worden war, wurde nach und nach durch Baumwolltextilien verdrängt.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die gesamte Baumwollproduktion für den japanischen Markt bestimmt. Ursprünglich wurde aus importiertem Garn Baumwollstoff gewebt. Ab den 1880er Jahren jedoch band man in die Baumwollherstellung auch noch die Spinnerei mit ein und so konnte Japan ab den 1890er Jahren zusätzlich Baumwollgarne aus eigener Herstelltung exportieren. 1935 war Japan der zweitgrößte Hersteller von Baumwollgarn und -gewebe weltweit³. (Quellen s.u.)

Leinen, Hanf & Co – optimale Sommerfrische

Leinen

Leinen

Bastgewebe* aus Flachs, Hanf oder anderen Naturfasern. Hanfgewebe ist generell gröber und kratzt auf der Haut, anders als das weichere, feinere Leinengewebe aus Flachs. Bastgewebe wird aus den Bastfasern in den Stängeln bestimmter Pflanzen gewonnen. Die Herstellung von Bastgewebe ist sehr aufwändig und zeitraubend. Reine Bastgewebe knittern sehr leicht, knitterärmer sind Mischungen mit anderen Fasern. Die Wärmeisolierung ist sehr gering; die Körperwärme wird sofort nach außen abgeleitet. Bastgewebe kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, trocknet aber auch schnell.

Kimonostoffe aus  Leinen oder Hanf sind ideal für den Sommer, da sie für auszgezeichnete Luftzirkulation sorgen und gleichzeitig der Stoff bei heißem Wetter nicht auf der Haut haftet.

Bastgewebe in Japan - geschichtlicher Rückblick:
Schon in der Vorzeit wurden Bastgewebe hergestellt, was durch viele Funde belegt ist. So gibt es zum Beispiel Funde von Leinengewebe aus Ägypten, die auf ca. 7000 v. Chr. (mittlere Steinzeit) zurückdatiert werden. Die ältesten Hanffaserfunde in Europa werden auf ca. 5000 v. Chr. datiert. Erste Anzeichen für die Nutzung von Hanf in Japan gibt es aus der Jômon-Zeit (10.000 - 300 v. Chr.).
Bis zum Beginn der Baumwollherstellung im Japan des 16. Jahrhunderts bildeten Basttextilien die wichtigste Grundlage für die Kleidung der breiten Bevölkerung. Seit der wachsenden Verbreitung von Baumwolle ging jedoch die Produktion und somit auch die Relevanz von Hanf, Leinen & Co. ständig zurück. Heute spielt die Herstellung von Gewebe aus Bastfasern nur noch eine untergeordnete Rolle auf dem japanischen Textilmarkt. (Quellen s.u.)

Polyester – der Pflegeleichte

Polyester

Polyester

Polyester ist ein Gewebe aus synthetischen Fasern, die im sogenannten Schmelzspinnverfahren auf der Basis von Erdöl hergestellt werden.
Polyestergewebe ist sehr reißfest, elastisch und viel abriebbeständiger als z.B. Baumwolle. Außerdem ist es sehr knitterarm und für Schädlinge völlig uninteressant. Der äußerst leichte Polyesterstoff nimmt fast keine Feuchtigkeit (max. 0,5% des Eigengewichts) auf und trocknet sehr schnell. Ein Nachteil von Polyestergewebe ist die hohe elektrostatische Aufladung.

Kimonostoffe aus Polyester werden vor allem aufgrund ihrer Pflegeleichtigkeit immer beliebter: sie sind waschbar und müssen nicht gebügelt werden. Iimmer öfter werden Polyesterkimono als Stellvertreter für Seidenkimono gekauft, da sie mit diesen in mancher Hinsicht vergleichbar sind. Im preislichen Vergleich stehen Polyesterkimono eindeutig günstiger da. Allerdings erreichen sie im öffentlichen Ansehen noch lange nicht den Rang eines Seidenkimono.

Polyester + Wärme:
Polyesterkimono sind für den Sommer eher nicht zu empfehlen, da die Körperwärme und somit der Schweiß nicht nach außen abgeleitet werden kann. Bedeutend angenehmer als reine Kunstfasertextilien sind Mischgewebe aus Polyester und Naturfasern wie Seide oder Baumwolle. Im Winter jedoch sind Polyesterkimono meist eine gute Wahl, da die Körperwärme am Körper bleibt.

Polyester in Japan - geschichtlicher Rückblick:
Ende der 1920er Jahre begannen erste Herstellungsversuche für Polyesterfasern. 1941 wurde dann in England die Polyesterfaser "Terylen" entwickelt und 1951 wurde Polyestergewebe auf dem amerikanischen Markt vorgestellt. In Japan erfreuen sich Polyester-Kimono etwa seit den 1970ern ständig wachsender Beliebtheit. (Quellen s.u.)

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