Kasane-eri / Date-eri © V.Nagata

Der Kasane-eri / Date-eri: Zierkagen für den Mehrlagen-Effekt

Vom Jûnihitoe zum Kasane-eri / Date-eri

Jûnihitoe - By 宮内省(Imperial Household Agency) (毎日新聞社「天皇四代の肖像」) [Public domain], via Wikimedia Commons

Jûnihitoe: mehrlagiger höfischer Kimono im 16. Jhdt. – (By 宮内省(Imperial Household Agency) (毎日新聞社「天皇四代の肖像」) [Public domain], via Wikimedia Commons)

Der Kasane-eri (auch „date-eri“) ist ein sehr bescheidenes Überbleibsel der mehrlagigen Kimonopracht im 16. Jahrhundert (Heian-Zeit) in Japan, bezeichnet als Jûnihitoe (zwölfschichtiger Kimono). Damals galt es bei Hofe als schick, viele Lagen von Kimono übereinandergelegt zu tragen und nur an den Säumen die verschiedenfarbigen Lagen herausschauen zu lassen. Es war ein kompliziertes Spiel der adligen Damen, die richtigen Farben miteinander zu kombinieren und damit dem Geschmack der Zeit zu entsprechen. Die heutige, stark reduzierte Form dieser dekadenten Kimonomode ist der Kasane-eri bzw. Date-eri.

Kasane-eri heute

Der heutige Kasane-eri ist ein Versuch der Täuschung: indem man dem eigentlichen Kimonokragen ein bis mehrere Kragen hinzugesellt, versucht man den Anschein zu erwecken, einen mehrlagigen Kimono zu tragen.
Gleichzeitig wird durch diesen einfachen Trick das gesamte Erscheinungsbild des Kimono aufgewertet und so erhält der Kimono einen höheren Formalitätsgrad.
Meistens wird der Kasane-eri bei einem Furisode oder einem Hômongi verwendet.

Aussehen, Maße und Platzierung des Kasane-eri

  • Form: Es handelt sich um ein rechteckiges Stück Stoff, idealerweise gefüttert. Es gibt zwar auch ungefütterte Exemplare, jedoch haben diese zugegebenermaßen nicht so guten Halt wie die gefütterten.
  • Maße: Ein Kasane-eri ist normalerweise 120-130cm lang und ca. 11cm breit. In diesem Fall wird der eri vor der Verwendung der Länge nach auf die Hälfte gefaltet. Exemplare, die bereits halb so breit sind, also etwa 5,5 Zentimeter, müssen natürlich nicht mehr gefaltet werden und können sofort verwendet werden.
  • Platzierung: Der Kasane-eri liegt unter dem eigentlichen Kragen des Kimono und wird nur mit wenigen Heftstichen angenäht bzw. mit einigen Eri-Pins befestigt. So ist der Kragen gegen Verrutschen gesichert, kann aber bei Bedarf auch leicht wieder gelöst werden, zum Beispiel für die Reinigung.

So geht’s: Befestigung des Kasane-eri / Date-eri

  1. Zuerst der Länge nach auf die Hälfte falten, Futter bzw. linke Seite nach innen.
  2. Bei Befestigung mit Nähgarn: mit wenigen Stichen den halbierten Eri in der Mitte und 10cm rechts und links von der Mitte an den Kanten zusammennähen.
  3. Den Zierkragen und den auf die Hälfte nach innen gefalteten Kimonokragen mittig aufeinanderlegen.
  4. Jetzt mit wenigen Nähstichen oder Eri-Pins den Zierkragen am Kimonokragen (Tomo-eri) befestigen, damit er nicht verrutscht. Dabei den Kasane-eri ca. 5mm von außen sichtbar über den Kimonokragen herausragen lassen. Die Eri-Kante verläuft parallel zum Kimonokragen.
  5. Im Nacken soll der Zierkragen von außen nicht sichtbar sein, nur ungefähr ab der Schulter über die Brust hinweg.
  6. Um einem Verrutschen des Kasane-Eri beim Kistuke vorzubeugen, kann der Eri mit weitere Heftstichen / Eri-Pins zu den Enden hin am Kimonokragen befestigt werden.

Beispiel für die Befestigung mit Eri-Pins

Andere Formen des Zierkragens

Es gibt auch Kasane-eri, die nicht auf die Hälfte gefaltet werden müssen, bevor sie am Kimonokragen befestigt werden. Sie haben von vorneherein die ungefähre Breite des Kimonokragens und das Längshalbieren fällt weg. Die Befestigungsmethode ist aber dieselbe wie beim doppelt breiten Eri.
Es gibt auch Zierkragen-Modelle, die zweilagig gestaltet sind und solche, deren Rand mit Perlen eingefasst ist. Eri aus strukturiertem, besticktem oder Gold- und Silberlamé-durchwebtem Stoff sind auch sehr edel. Dann gibt es noch Kasane-eri aus Spitze, mit Pailetten, gehäkelt, gestrickt und und und… Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Kleines Kimono-Accessoire mit großer Wirkung

Fazit: Der Kasane-eri / Date-eri ist ein sehr interessantes und vielseitiges Accessoire, mit dem die Trägerin des Kimono ganz persönliche Akzente setzen und den Kimono ein gutes Stück aufwerten kann, ähnlich wie durch die Wahl des Obi. Allerdings sollte man darauf achten, dass der Stil des Zierkragens mit dem Stil des Kimono harmoniert.

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